Unsere Experten im Interview zum Thema Beteiligungsprozess bei der Kommunalen Wärmeplanung

Autor: Jana Gerl
April 29, 2024

Was machen wir als ZDE in der Kommunalen Wärmeplanung?

Carina: Als ZDE sind wir in der kommunalen Wärmeplanung mit zwei Bausteinen unterwegs. Als ersten Baustein gibt es die Stakeholder-Workshops, die wir in Abstimmung mit dem Kunden vor Ort durchführen. Hier werden alle Personen eingeladen, die im Bereich Wärmeplanung involviert sind. In der Regel veranstalten wir insgesamt drei Workshops, mit dem Fokus, die Stakeholder zum Thema Kommunale Wärmeplanung abzuholen und sie in den Entwicklungs- und Erstellungsprozess mit einzubeziehen.

Der zweite Baustein ist der Bürger-Dialog. Hier treten wir mit den Bürgern in einen Dialog treten, machen deutlich, was die Kommunale Wärmeplanung in der Auswirkung für den Bürger bedeutet und können so das Erwartungsmanagement steuern.

Sprechen wir mal über den ersten Baustein – die Stakeholder-Workshops. Wieso ist es wichtig mit den Stakeholdern in einen Dialog zu gehen?

Carina: Die Stakeholder haben ganz unterschiedliche Sichtweisen und Perspektiven auf das Thema Wärme. Beispielsweise die Industrie, die Wärme produziert und nutzt, der Wohnungsbau, der Wärme benötigt, die Politik, die den gesetzlichen Rahmen für die Wärmeplanung vorgibt und schließlich auch die Stadtwerke, die Wärme erzeugen und als Energielieferant tätig sind. Alle diese Akteure sollen in den Stakeholder-Workshops zusammenkommen und ihre Perspektiven einbringen. Das Schöne daran ist, bei allen Beteiligten können wir hier meist für viel Erkenntnisgewinn sorgen.

Alexander: Mit den Workshops möchten wir natürlich ergänzend auch das Wissen über spezielle lokale Gegebenheiten einbinden. Denn wir benötigen die Sichtweise der Lokalakteure, um die Maßnahmen lokal angepasst auszurichten und die Erkenntnisse mit in die Kommunale Wärmeplanung einfließen lassen zu können.

Johannes: Wir sind in der Situation, dass wir einerseits durch die Gesetzgebung einen stark standardisierten Prozess haben, andererseits müssen wir in jeder Kommune auf die individuellen Gegebenheiten eingehen, um auch wirklich alle Stakeholder abzuholen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich konstruktiv und verbindlich in den Prozess einzubringen.

Was sagt der politische Rahmen?

Carina: Der politische Rahmen ist gesetzt und alle sind zum Handeln verpflichtet. Im ersten Schritt alle großen Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern. Im nächsten Schritt aber auch alle kleineren Kommunen. Es ist eine Riesenaufgabe für alle, was auch den Beteiligten in unseren ersten Beteiligungsworkshops sehr klar wird.

Johannes: Es ist eine kollektive Mammutaufgabe, die für die Kommunen aber auch für die vielen weiteren Akteure vor Ort ansteht. Denn es endet nicht auf der kommunalen Ebene. Manche technischen Details gehen bis hin zu den Wohnungen der Bürger und Bürgerinnen. Gerade deshalb ist es wichtig, im Bürgerdialog auch die Bürgerschaft mitzunehmen.

Carina: Die Kommunale Wärmeplanung ist erstmal nur eine Infrastrukturplanung, daran schließt sich die Umsetzungsplanung an, die von ganz vielen Akteuren getragen werden muss. Die Zielsetzung der Stakeholder-Workshops ist es, sie gleich in den Infrastrukturplanungsprozess mitzunehmen, um ein Bewusstsein dafür herzustellen, was auf die Akteure bei der Umsetzung zukommt.

Was zeichnet das ZDE aus?

Alexander: Wir sind bereits in vielen, teilweise auch sehr technischen Projekten tätig, in denen Beteiligung zum Teil bereits Pflicht ist. Wir haben daher ein breites Know-How, das wir nun auch für das Thema Klima und Wärmeplanung nutzen können.

Beteiligung ist für uns keinesfalls nur eine Pflichtaufgabe. Vielmehr möchten wir, dass sich die Bürger ernstgenommen fühlen und setzen alles daran, eine umfassende, ehrliche, umfassende Beteiligungskultur zu schaffen. Auf diese Weise geben wir einen Überblick über die Strukturen und nehmen sie auf der Reise mit.

Beteiligung ist ein immenser Schritt in Richtung Projekterfolg. Wir brauchen in unseren Projekten die Menschen, die sich daran beteiligen, weil der Input aus den Workshops und Bürger-Dialogen uns hilft, das Projekt erfolgreich abzuschließen.

Kommen wir nun zum vorhin genannten zweiten Baustein – den Bürger-Dialogen. Wie sieht ein Bürgerdialog aus?

Carina: Der Bürgerdialog ist in der Regel so aufgebaut, dass der Bürgermeister oder die Bürgermeisterin begrüßt und die Veranstaltung eröffnet. Dabei werden die Bürger abgeholt zum Gesamtkontext Wärmeplanung und weshalb die Kommune hier aktiv ist. Daraufhin folgen verschiedene Impulsvorträge – je nach Stand im Projekt – über die Erwartungshaltung, das weitere Vorgehen oder auch, wann welche Ergebnisse erwartet werden können. Stadtwerke können die Chance nutzen und ihre Vision vorstellen, wie die Wärmewende gelingen kann und welcher eigene Beitrag für dieses Ziel eingebracht werden kann. Darüber hinaus gibt es auch noch neutrale Partner, die allgemeine Impulse einbringen und z. B. die gesetzliche Thematik für die Bürger einordnen.

Wir sprechen im Bürgerdialog über die Themen, die die Bürger umtreiben, geben Impulse dazu und bieten eine Plattform für den Austausch zwischen denjenigen, die es betrifft und denjenigen, die in der Planung aktiv sind.

Alexander: Der Dialog dient vor allem auch dazu, die Fragen der Bürger mittels Expertenwissens zu beantworten. Zwar ist die Veranstaltung zeitlich begrenzt, uns ist es jedoch wichtig, auch darüber hinaus Möglichkeiten bereitzustellen, persönliche Fragen einzureichen und Antworten zu bekommen.

In welcher Phase werden Bürgerdialoge durchgeführt? Gibt es hier eine Empfehlung?

Carina: Das ist sehr projektabhängig und kann gemeinsam mit den Kunden individuell definiert werden. Wir orientieren uns hierbei auch gerne an der Bürgerschaft, wie aktiv diese ist und inwieweit es wichtig ist, diese von Beginn an mitzunehmen oder ob es möglicherweise am Ende reicht zum Abschluss des Projekts in den Dialog mit den Bürgern zu. Wir haben derzeit viele Projekte, in denen wir Bürgerdialoge sowohl am Anfang zum Thema Erwartungsmanagement aufsetzen als auch zum Ende des Prozesses, wenn die Ergebnisse, die Wärmebedarfe und die Umsetzungsmaßnahmen klar sind.

Gehört eine dauerhafte Kommunikation zum Prozess der Kommunalen Wärmeplanung?

Johannes: Es reicht keinesfalls die Bürgerschaft nur einmal ganz am Anfang abzuholen. Vielmehr ist es wichtig eine Kommunikation mit der Bürgerschaft und weiteren Stakeholdern entlang des gesamten Prozesses aufzubauen. Denn das gehört zur Kommunikationskultur, die wir schaffen möchten.

Carina: Auch aus kommunaler Sicht ist es wichtig den Dialog aufrechtzuerhalten. Denn die Kommune ist nicht nur im Erstellungsprozess Ansprechpartner für die Bürger, sondern auch in der anschließenden Umsetzung. Um hier über den gesamten Prozess Fragen der Bürgerschaft beantworten zu können, ist der kontinuierliche Dialog mit ihnen wichtig.

Unsere Experten

Carina Nitschke

Carina Nitschke

Senior Consultant, Projektleiterin im Bereich Kommunale Wärmeplanung

Carina Nitschke

Alexander Renz

Consultant, Workshop- und Beteiligungsexperte

Carina Nitschke

Johannes Röder

Consultant und Experte für Unternehmenskommunikation